Green Shipping
09.04.2018

Norwegen fordert Halbierung der CO2-Emissionen im Schiffsverkehr

Foto: Wessels Reederei
Die Reederei Wessels rüstete im vergangenen Jahr das weltweit erste Containerschiff auf LNG-Betrieb um.

In dieser Woche könnte sich die internationale Schifffahrt erstmals auf einen Beitrag zum Pariser Klimaabkommen einigen. Norwegen hängt die Latte hoch.

Die Schifffahrt tauchte bei den Verhandlungen zum Pariser Klimaabkommen bisher nicht auf, gleiches gilt für den Luftverkehr. Dabei ist der Seeverkehr nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) für 2,2 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich. Doch bisher konnte die IMO bisher erfolgreich verhindern, dass auch die Schifffahrt ihren Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leistet.

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Das könnte sich nun ändern: Bei den derzeit laufenden Verhandlungen in London will der Umweltausschuss der IMO eine einheitliche Strategie entwickeln, um die CO2-Emissionen von Schiffen zu reduzieren. Norwegen, das hinter Japan, Griechenland, China und den USA die fünftgrößte Flotte der Welt mit einem Wert von etwa 45 Milliarden Dollar betreibt, machte dazu nun einen Vorstoß: „Die Emissionen sollten bis 2050 im Vergleich zu 2008 um 50 bis 90 Prozent halbiert werden“, sagt Harald Solberg, Chef der Norwegischen Schiffseignergesellschaft, bei einer Pressekonferenz mit Norwegens Handelsminister Torbjoern Rooe Isaksen laut der Nachrichtenagentur Reuters. Da der Seehandel im selben Zeitraum voraussichtlich um 60 Prozent steigen werde, gehe es in absoluten Zahlen um eine Schadstoff-Reduktion um mehr als die Hälfte.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) wollte sich auf Anfrage des Magazins bizz energy nicht zu der Forderung Norwegens äußern. Er teilte lediglich mit, auf „einen ebenso ambitionierten wie realistischen Weg für den Beitrag der globalen Handelsschifffahrt zur Absenkung von CO2 Emissionen“ zu hoffen. „Wir sind bereit“, hieß es. In der Nord- und Ostsee gelten für neu gebaute Schiffe bereits ab 2021 strengere Umweltauflagen.

"Regionale Lösungen funktionieren nicht"

Harald Solberg äußerte die Hoffnung, dass sich alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel einigen. „Das ist die einzige Möglichkeit, sonst müssen wir regionale Lösungen befürchten, die nicht funktionieren werden“, warnte er. Bis zum Jahr 2100 könnte die Schifffahrt nach seiner Einschätzung komplett emissionsfrei sein.

Momentan werden 90 Prozent aller Waren weltweit auf dem Seeweg transportiert, Tendenz stark steigend. Besonders problematisch: Der Großteil der Schiffe wird mit Schweröltreibstoff betankt, der die Ökosysteme mit Schwefeloxiden, Ruß und Stickoxiden belastet. Ins Meer geleitete Abwasser und Abfälle, Chemikalien im Schiffsanstrich und nicht zuletzt Unfälle, bei denen Öl und Schadstoffe ins Meer gelangen, tun ihr übriges.

LNG- und Brennstoffzelle als Alternative

Alternativen zum Schweröl gibt es: Insbesondere flüssiges Erdgas (LNG), bei dessen Verbrennung deutlich weniger Schadstoffe entstehen. Der Bau von Schiffen mit LNG-Antrieb wird von der Bundesregierung seit Ende 2017 mit Fördergeld bezuschusst. Erste Reedereien stellen bereits auf Flüssigerdgas um. Außerdem kommen im Fährverkehr inzwischen Hybrid-Antriebe mit Diesel und Batterie zum Einsatz. Darüber hinaus fahren seit vergangenem Jahr die ersten Schiffe mit Brennstoffzellen-Antrieb.

Lesen Sie auch: Tanker statt Pipelines – wird auch Deutschland zum LNG-Markt?

Jutta Maier
Keywords:
Schifffverkehr | Schifffahrt | Mobilität | Klimawandel | LNG | CO2-Emissionen
Ressorts:
Technology | Markets

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