Studie
12.04.2018

Windkraft wächst weltweit ungebremst

Foto: iStock
Der Ausbau der Windenergie geht weiter.

Die Ratingagentur S&P Global erwartet, dass die Windstromerzeugung auch künftig um 20 Prozent jährlich steigen wird. Klimaschutz und sinkende Kosten treiben das Wachstum.

Die Windenergie boomt und drückt vielerorts die Strompreise. Wie die Ratingagentur S&P Global (Standard&Poor‘s) in einer aktuellen Studie berichtet, wurden 2017 weltweit an Land Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 53 Gigawatt errichtet. Dies entspricht grob gerechnet der Leistung von 25 Atomkraftwerken vom Typ Biblis. Alles in allem befanden sich Ende 2017 Windenergieanlagen mit 540 Gigawatt in den Stromnetzen.

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Die ungebrochene Wachstumsdynamik wird vor allem durch zwei Faktoren befeuert: Immer mehr Länder treiben den Ausbau der erneuerbaren Energien voran, um ihre auf der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 gegebenen Zusagen zu erfüllen. Gleichzeitig profitieren Windenergieinvestoren von sinkenden Anlagenkosten. Allein in den USA sind in den vergangenen sechs Jahren die Kosten für Windstrom um 66 Prozent gesunken. Experten erwarten, dass sie bis 2030 um weitere 24 bis 30 Prozent sinken und bis 2050 um 35 bis 41 Prozent.

Ausbau setzt sich auch in den USA fort

Der Preisdruck, den die Windenergie am Strommarkt ausübt, hat inzwischen auch im Bundesstaat Texas zu zeitweise negativen Preisen geführt. Großverbraucher bekamen Geld dafür, Strom aus den Netzen zu nehmen. Exelon Generation, einer der führenden Atomkraftwerksbetreiber der USA, berichtet, dass seine Kraftwerke unter dem Druck günstigen Windstroms im Schnitt drei Dollar weniger je eingespeiste Megawattstunde verdienten.

Die Energieexperten von S&P Global messen der klimaskeptischen Haltung der Trump-Regierung keine große Bedeutung zu. Der Ausbau der Erneuerbaren werde sich in den USA fortsetzen, zumal dieser von den Bundesstaaten vorangetrieben wird. Von denen wiederum haben New York, Oregon und Kalifornien ihre Ausbauziele erst jüngst weiter angehoben.

In Europa werden schwache Standorte interessant

In Europa werde die Entwicklung der Windenergie in den kommenden Jahren stark durch Versorger geprägt, die erst spät, aber nun mit aller Kraft in die Dekarbonisierung ihrer Kraftwerkskapazitäten investieren, schreiben die Experten. Dies hätte zur Folge, dass auch schwache Standorte und geringe Margen akzeptiert werden. Ein Beispiel seien die jüngsten Ausschreibungen in Spanien, bei denen nun Erzeugungskapazitäten über 8,7 Gigawatt ohne jegliche staatliche Förderung entwickelt werden.

In China übersteige der Ausbau der Erneuerbaren die Erwartungen der Regierung. Allein 2018 werde China Windenergieanlagen mit einer Leistung von 25 bis 30 Gigawatt errichten und Solaranlagen mit 40 bis 50 Gigawatt. S&P Global geht davon aus, dass bis 2020 die Erzeugungskosten der Erneuerbaren – vor allem der Windkraft – auf das Niveau chinesischer Kohlekraftwerke sinken werden.

In den vergangenen 15 Jahren hat S&P Global bei Bewertung der Kreditwürdigkeit von Windenergieprojekten deutlich mehr Ab- als Aufstufungen vorgenommen. Wie die Agentur berichtet, litten vor 2010 entwickelte Projekte oft unter zu optimistischen Windprognosen und unterschätzten Betriebskosten. Neue Projekte würden dagegen auf deutlich zuverlässigeren Erfahrungswerten und Prognosen basieren. Die Finanzrisiken liegen daher heute weniger in der Anlagentechnologie, den Strompreisen oder dem Wind als vielmehr in Wechselkurs- und Zinsniveauschwankungen und der Solidität der Investoren.

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Thomas Bauer
Keywords:
Windenergie
Ressorts:
Markets

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